Ihr verblühet, süße Rosen
Meine Liebe trug euch nicht;
Blühtet, ach, dem Hoffnungslosen
Dem der Gram die Seele bricht!
Jener Tage denk' ich trauernd,
Als ich, Engel, an dir hing,
auf das erste Knöspchen lauernd
Früh zu meinem Garten ging.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Meine Rosen

Ja! Mein Glück - es will beglücken -
alles Glück will ja beglücken!
Wollt ihr meine Rosen pflücken?

Müßt euch bücken und verstecken
zwischen Fels und Dornenhecken,
oft die Fingerchen euch lecken!

Denn mein Glück - es liebt das Necken!
Denn mein Glück - es liebt die Tücken! -
Wollt ihr meine Rosen pflücken?

Friedrich Nietzsche (1844-1900)
Die unschuldige Rose

Sprechen wir nicht von dir.
Du bist deiner Natur nach unaussprechlich.
Andere Blumen schmücken die Tafel,
du verklärst sie.

Man stellt dich in eine Vase -
und schon wandelt sich alles:
es ist vielleicht die gleiche Vase Melodie,
aber gesungen von einem Engel.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)